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Von der Idee ins Regal: Wie Bücher in den Handel kommen

  • Autorenbild: Rena
    Rena
  • 20. Feb. 2025
  • 5 Min. Lesezeit


Schließ bitte mal kurz die Augen und stell dir vor, du öffnest die Tür zu deinem Lieblingsbuchladen. Es riecht nach Papier und einem Hauch Kaffee. Überall stehen Tische mit Stapeln richtig schöner Bücher. Sie sind dick, fühlen sich gut an, haben Cover zum Verlieben und Titel, die dich sofort anziehen ...


Bis es so weit ist, haben diese Bücher allerdings meist einen ziemlich langen Weg hinter sich. Und mit „lang“ meine ich wirklich lang:


Es kann gut und gern bis zu 2 Jahre dauern, bis ein Buch veröffentlicht wird. 😱


Schauen wir uns den Prozess also mal Schritt für Schritt an.


1. Die Akquise – woher kommen die Manuskripte?


Wenn du im Lektorat arbeitest, besteht ein großer Teil des Jobs aus Lesen. Dieses Prüfen nennt man „Akquise“: Es geht darum herauszufinden, ob ein Text gut ist und ins Programm des Verlags passt.


Aber woher kommen diese Manuskripte überhaupt?


Im Grunde gibt es zwei Wege: über literarische Agenturen oder über die berühmten unverlangt eingesandten Manuskripte.


Die Angebote von Agenturen sind in der Regel vielversprechender. Gute Agenturen nehmen nicht einfach alles auf, sondern kennen die Verlage und wissen ziemlich genau, wer was sucht. Außerdem haben die Texte dort meist schon eine Art Vorlektorat durchlaufen – ein gewisser Qualitätsstandard ist also fast immer gegeben.


Auf dem Stapel der unverlangt eingesandten Manuskripte landet dagegen erst mal alles. Sehr häufig sind das Biografien, und oft ist die Qualität nicht besonders hoch. Das heißt aber nicht, dass das ungesehen im Müll landet. Im Gegenteil: Es wird alles zumindest angelesen. Und alle Jubeljahre findet man dort tatsächlich einen kleinen Schatz.


Egal also, auf welchem Weg ein Manuskript auf dem Schreibtisch einer Lektorin oder eines Lektors landet: Es wird geprüft. Allerdings nicht von allen. Meist ist jede Person im Lektorat auf ein oder zwei Themengebiete spezialisiert. Das ist auch sinnvoll, denn man muss sein Genre wirklich kennen.


Innerhalb des Verlags gibt es dafür sogenannte Genre-Gruppen oder Kernteams. Dort stellt jede:r vor, was geprüft wurde, und gibt eine Einschätzung ab: Würde ich das einkaufen – oder eher nicht? Gibt es Unsicherheiten, liest oft noch jemand Zweites rein.



2. Das Angebot – Vorschuss, Beteiligung und Verhandlung


Wenn die Entscheidung fällt, ein Manuskript einzukaufen, bekommt die Agentur oder direkt die Autor*in ein Angebot. Dabei geht es vor allem um zwei Dinge: den Vorschuss (auch Garantiehonorar genannt) und die Beteiligung an den Verkäufen.


Der Vorschuss kann extrem unterschiedlich ausfallen. Je nach Qualität, Können und Bekanntheit sind Beträge zwischen 500 und 50.000 Euro keine Seltenheit. Für unbekannte Autor:innen im Taschenbuchbereich kann man grob mit 2.000 bis 7.000 Euro rechnen.


Die Beteiligung an den Buchverkäufen wird allerdings erst ausgezahlt, wenn der Vorschuss „eingespielt“ ist. Deshalb heißt er auch Vorschuss: Im besten Fall ist das Geld nur eine Vorabzahlung auf spätere Einnahmen.


Üblich sind zum Beispiel:

  • bei E-Books: ca. 20–25 %

  • bei Hardcovern: ca. 10–12 %

  • bei Taschenbüchern: ca. 5–7 %(jeweils gestaffelt)


Wenn du also einen Vorschuss von 3.000 Euro bekommst, erhältst du weitere Tantiemen erst dann, wenn dein Buch diese 3.000 Euro im Nettoerlös wieder eingespielt hat.


Wie hoch die Beteiligung ausfällt, wird verhandelt. Bei E-Books startet man häufig bei 20 % und einigt sich irgendwo bei 25 %. Wenn der Vorschuss niedrig ist, sollte die Beteiligung entsprechend höher sein.


Inzwischen gibt es auch andere Modelle. Manche (vor allem reine E-Book-)Verlage zahlen gar keinen Vorschuss, dafür aber eine deutlich höhere Beteiligung. Für den Verlag ist das risikoärmer – für Autor*innen hingegen oft schwierig, denn irgendwovon muss man in der Zwischenzeit ja auch leben. Ich persönlich stehe diesem Modell eher skeptisch gegenüber.


Wichtiger Hinweis an dieser Stelle – man kann es offenbar nicht oft genug sagen:Ein echter Verlag will kein Geld von dir.Ein Verlag ist dein Dienstleister. Du gibst dein Manuskript ab, der Verlag produziert, vertreibt und vermarktet es – und im Gegenzug wird er an den Erlösen beteiligt. Das ist der Deal.


3. Der Verlagsvertrag – alles auf Papier


Wenn die finanziellen Punkte geklärt sind, wird alles in einem Verlagsvertrag festgehalten. Darin stehen neben Basisangaben wie Adresse, Abgabetermin und Vorschusshöhe unter anderem:

  • die Beteiligung an Nebenrechten (z. B. Hörbuch, Übersetzungen, Filmrechte)

  • ob der Verlag dein Werk an ausländische Verlage weiterlizenzieren darf

  • für welche Medien das Werk genutzt werden darf

  • ob Preisaktionen oder Bundles erlaubt sind


Es wird also eine ganze Menge geregelt. Deshalb würde ich Vertragsverhandlungen grundsätzlich Profis überlassen – sprich: Agenturen.

Den Vertrag bekommst du dann in der Regel in mehreren Ausfertigungen zugeschickt, unterschreibst und schickst ihn zurück. Und dann geht’s ans Schreiben. (Außer du bist Debütautor:in – da wollen viele Verlage das fertige Manuskript schon vor Vertragsabschluss sehen.)


4. Das Lektorat – Struktur, Logik und Sprache


Wenn man schon länger zusammenarbeitet, ist es oft so, dass Autor*innen vor dem eigentlichen Schreiben eine Storyline oder ein Exposé einreichen und das mit der Lektorin besprechen. Das ist für beide Seiten sinnvoll: Du weißt, dass das Projekt in die richtige Richtung geht, und der Verlag kann früh Feedback geben.

Ist das Buch fertig, landet es im Lektorat. Dort wird geprüft, ob die Struktur der Geschichte stimmt. Häufig tauchen dabei Logikfehler auf, Nebenstränge, die nicht ganz rund sind, oder Figuren, die noch mehr Tiefe brauchen.


Auch sprachlich wird gearbeitet: Füllwörter fliegen raus, schiefe Bilder werden begradigt, falsche Begriffe ersetzt, hier und da gekürzt.

Kleinere Änderungen werden direkt im Text vorgenommen, mit „Änderungen nachverfolgen“, damit du siehst, was passiert ist. Größere Fragen oder unklare Stellen stehen meist in Kommentaren. Danach geht der Text an dich zurück, du arbeitest die Punkte ein, die Lektorin schaut noch einmal drüber – und dann geht es in die Korrektur.


Bei Printbüchern folgt oft zuerst der Satz und danach die Korrektur, um Dinge wie Hurenkinder und Schusterjungen (heißt leider noch immer so) zu vermeiden.


Korrigiert wird meist von zwei Personen, denn vier Augen sehen bekanntlich mehr als zwei. 🙂 Aber nicht selten bleiben selbst nach all diesen Korrekturdurchläufen noch Fehler übrig.


5. Die Herstellung – vom Manuskript zum Buch


Wenn Text und Korrekturen abgeschlossen sind, geht das Buch in die Herstellung. Dort werden Satz, Inhaltsverzeichnis, Kapiteltrenner und Cover integriert. Anschließend geht es entweder in die Druckerei oder in die E-Book-Produktion.


Die gedruckten Bücher werden zentral gelagert und von dort an die Buchhandlungen ausgeliefert – je nachdem, wie viele Exemplare bestellt wurden. Vorher waren die Verlagsvertreter*innen unterwegs, haben den Buchhandlungen das neue Programm vorgestellt und angepriesen. Nach dem Durchsehen der Vorschauen bestellen die Händler dann, was sie in ihre Läden aufnehmen wollen.


Beim E-Book läuft es ähnlich. Hier wird die Word-Datei für das spätere ePub-Format vorbereitet: Überschriften werden sauber formatiert, Vorsatzseiten, Impressum und Feedbackseiten eingefügt. Die Herstellung erstellt daraus die ePub-Datei, es folgt eine letzte Korrekturschleife – und anschließend landet das E-Book über die Auslieferer in den Online-Shops.


6. Marketing, PR und Vertrieb – Sichtbarkeit schaffen


Parallel dazu laufen die ganze Zeit Marketing- und Vertriebsaktivitäten, auch wenn man das als Autor:in oft gar nicht so direkt mitbekommt.

Sobald das Programm (z. B. fürs Frühjahr) eingekauft ist, stellen die Lektorinnen die Titel im Haus vor – vor allem Marketing, Vertrieb und Herstellung. Dabei geht es nicht nur um Inhalte, sondern auch um die Autorinnen: Hintergrund, Social-Media-Aktivität, Preise, besondere Themen. Alles, was beim Verkaufen helfen kann.


Mit diesen Infos plant das Marketing Aktionen für die Spitzentitel, während der Vertrieb überlegt, wie man Buchhandlungen für die Titel begeistert. Dazu gehören zum Beispiel Newsletter, Gewinnspiele, Messeauftritte, Lesungen oder Preisaktionen. Gleichzeitig versucht die Presseabteilung, Bücher und Autor:innen in regionale und überregionale Medien zu bringen.


Hättest du es dir so vorgestellt?

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Mitglied im Verband der freien Lektorinnen und Lektoren  sowie der Vereinigung deutscher Liebesromanautor:innen

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